Freitag, 29. Mai 2015

Hertha - Eintracht

Fußball:

16. 5. Hertha - Frankfurt Eintracht 0 : 0, Olympiastadion.

Als alter Hesse für mich gar nicht so einfach, zu entscheiden, für wen mein Herz schlagen soll. Mein Bruder hat es da einfacher. Er ist eindeutiger Hertha-Fan. War auch im Stadion, in der Ostkurve. Mir genau gegenüber. Vielleicht kann ihn ja jemand auf dem Bild erkennen?


Großes Herzzerbrechen hatte ich allerdings nicht, denn erstens ging es unentschieden aus, und zweitens hängt meines nicht sehr am Fußball.

Es gab für mich keinen eigentlichen Einsatz für mich, keine Blutentnahme, aber ein älterer Herr mit "Herzbeschwerden". Es war aber nur eine Interkostalneuralgie (Zwischenrippen-Reizung), kein Infarkt, vor dem er Angst hatte. Hatte nämlich schon einen. Schmerztablette genügte. Dankbar wandte er sich wieder dem Spiel zu. Er stammte aus Frankfurt, schön mal wieder diesen Dialekt im Original zu hören. Bei einem Sieg wären die Schmerzen wahrscheinlich sowieso wie verflogen gewesen.

Beeindruckend war das Schwenkens schwarzer und weißer Fähnchen der Frankfurter Fans.





Von 6. bis 10. Mai hatte ich insgesamt fünf Dienste in Folge. Ist vielleicht was viel. Doch die Fußballspiele versuche ich, zu ergattern. Das läuft sowieso unter "bezahlter Freizeit". Bis 16. war allerdings komplett Ruhe.

Polizei


Weiter ging es erst nach dem Herthaspiel Sonntag Nacht "City". Das ist die Polizeistation in Moabit, Perleberger Straße.

Dort nur drei Einsätze, einer davon war heftig. Es war ein extrem kräftiger Afrikaner, seine ganze Art erinnerte mich an den Helden aus "Green Mile". Es wurde ihm Körperverletzung vorgeworfen - wobei man nie sagen kann, was an solchen Vorwürfen dran ist. Jedenfalls war eine BE (Blutentnahme) auf Alkohol und Drogen angeordnet.

Der Mann machte alles mit, doch als er merkte, dass ihm Blut abgenommen werden sollte, geriet er in Panik. Er wehrte sich mit Händen und Füßen und konnte nur mir Mühe in eine Zelle verfrachtet werden. Dann forderten die Beamten die "Hundertschaft" an. Von denen kamen 6 Mann, ausgerüstet in Kampfmontur. Sie beratschlagten vor der Zelle, wie sie vorgehen sollten. Das dauerte schon einige Minuten. Immer wieder beobachteten sie durch die Klappe, wie der Mann sich verhielt. Er schien ruhig. Die Beamten öffneten die Tür und sagten ihm, dass die BE auf jeden Fall gemacht werden müsse. Sofort fing er wieder an zu toben. Es waren wirklich alle 6 Polizisten nötig, ihn zu bändigen. Letztlich lag er auf dem Boden, je ein Beamter hielt eine Gliedmaße fest, einer den Kopf und einer lag beinahe auf seinem Bauch.

Dabei schrie der Afrikaner unentwegt: "Ich liebe Deutschland, ich liebe euer Land, ich bin ein guter Junge, tut mir nichts, ich bin ein guter Junge. Spritzt mir nichts." Immer wieder sagte ich, ich spritze nichts, ich nehme nur Blut ab, auch die Beamten sagten das trotz aller Aufregung und Hektik. Es war nicht so, dass die Sechs wirklich Herr über ihn waren. Immer wieder schaffte er es, sich aufzubäumen und den Arm wegzuziehen. Letztlich waren neun Mann beteiligt, den einen zu bändigen.

Schließlich bekam ich auch die drei Röhrchen voll und sagte auch, das sei jetzt erledigt. Sofort war der Afrikaner ruhig.

Sein Verhalten kann ich mir nur so erklären, dass er Todesangst hatte. Er war wahrscheinlich überzeugt, dass ich ich ihm eine tödliche Spritze gebe. Ich nehme an, dass er in Afrika hautnah bei Bekannten so etwas erlebt hatte. Nachdem die Nadel draußen war, hatte es für ihn keinen Sinn mehr, sich weiter zu wehren. Hätte ich das Gift gespritzt gehabt, wäre sowieso alles zu spät gewesen.

Der Mann tat mir leid. Gerne wüsste ich, ob meine Vermutung stimmt. Aber das kann ich leider nicht überprüfen.

Es dauerte eine Weile bis sich bei mir die Aufregung legte, die hatte sich natürlich eingestellt. Ich denke nicht, dass der Einsatz anders hätte ablaufen können. Dem Mann war eben nicht zu erklären, dass es nur um die Blutentnahme ging. Seine Panik ließ vernünftige Argumente gar nicht bis zu ihm durchdringen.



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