Freitag, 1. Mai 2015

Wiederbelebung nach acht Jahren


Mein letzter Blog-Eintrag stammt von 2007. Das ist sage und schreibe acht Jahre her.

Ich muss gestehen, ich hatte vollkommen vergessen, dass ich diesen Blog angefangen hatte.

Inzwischen hat sich, wie bei JEDEM, viel getan.

In aller Kürze: Die Praxis beendeten wir im Dezember 2009. Ich betreute zwei Diakonie-Altenheime weiter bis letzten Sommer (2014). Das bedeutete: Visiten an zwei Tagen in der Woche und selten mal einen "Noteinsatz". Das waren am ehesten Leichenschauen.

Im Januar 2010 hatten Trude und ich den Wiebers Verlag übernommen, einen kleinen Verlag für Plakate und Lesezeichen zur Geschichte. Anfangs kümmerten wir uns aufwändig darum, machten Vertreter-Reisen, bauten eine Homepage auf, übersetzten das Römerplakat ins Niederländische und Englische. Inzwischen dümpelt der Verlag so vor sich hin. Im Wesentlichen bekommen wir gelegentlich Bestellungen von den Stammkunden, diversen Museums-Shops nämlich.

Weiter begann ich, Unterricht in der Hofbauer-Altenpflegeschule zu geben, später auch in der Semper-Schule für Erzieher und Heilerziehungspfleger. Das macht mir großen Spaß. Seit letztem Jahr kommen auch Fortbildungen in der Diakonie Südstern und Moabit dazu.

Seit Dezember 2013 bin ich offiziell „Rentner“, das heißt, ich lasse mir die Rente zwei Jahre früher mit 12% Abzug auszahlen. Nach meiner Berechnung mache ich damit ein Geschäft, wenn ich vor meinem 85. Lebensjahr sterbe, finanziell nachteilig wird es für mich danach.

Da die Altenheime ausliefen, suchte ich mir im Frühjahr 2014 einen neuen Job. Der besteht im Blutentnahmedienst bei der Berliner Polizei. Ich muss die Proben bei Verdacht auf Vergehen unter Alkohol oder Drogen (meist im Straßenverkehr) abnehmen. Dazu gehören auch die „Verwahrfähigkeitsuntersuchungen“. Dabei muss ich feststellen, ob ein Delinquent den nächsten Tag ohne Risiko für Gesundheit oder Leben in Gewahrsam gehalten werden kann. Bis dahin entscheidet ein Richter, ob er freikommt oder in Haft genommen wird.

Das ist erstaunlicherweise eine Tätigkeit, die mir ausgesprochen gut gefällt. Es handelt sich um kurze Einsätze, die jeweils auch abgeschlossen sind und bei denen kein Rattenschwanz an Folgeereignissen und Bürokratie folgt. Klar sind die Leute selten gut gelaunt, aber auch das kommt vor. Und noch seltener sind sie hochaggressiv und müssen von mehreren Beamten festgehalten werden.

Was für mich allerdings die wesentlichste Neuerung ist, das ist das Schreiben. Endlich komme ich wieder dazu. Das ist ja während der Praxiszeit fast nicht möglich gewesen.

Das Witzige ist, dass ich in den Ruhephasen im Dienst eben auch an die Schreiberei gehen kann. So auch jetzt. Ich habe einen 12-Stunden-Einsatz von 6 -18 Uhr bei der Polizei in Moabit, die für die 1.-Mai-Veranstaltungen ausgerüstet ist. Hier sitze ich und tippe. Bisher hatte ich noch nichts zu tun außer ein paar netten Gesprächen mit netten Beamten. Ich muss schon sagen, die meisten sind ausgesprochen umgänglich.

Nebenan das hochaktuelle Bild in "Dienstbekleidung" in den Dienstzimmer in Moabit.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich jetzt schon auf zahlreiche Reaktionen, Kommentare und Anregungen.

Nächste Woche dann: mehr!

Ich wünsche ein schönes Wochenende!

Will

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